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Kvarner-Bucht. Es wird erzählt, dass die Argonauten, die Vorgänger jener
Unbeständigkeit, wie sie auch die meisten Nautiker auszeichnet, auf der Suche
nach dem Goldenen Fließ in diese Meerenge eingedrungen sind. Nach dieser
Legende kam irgendwo hier im Kvarner der nicht allzu bekannte Held Apsyrt ums
Leben. Aus den zerstückelten Teilen seines Körpers , die von Medea ins Meer
geworfen wurden, entstand die Inselgruppe in der Kvarner-Bucht.
Obwohl die Menschen gerne Legenden nacherzählen, die sie mit ihren
entferntesten und berühmtesten Vorfahren in Verbindung bringen, wurde diese
Erzählung vielleicht wegen der Grausamkeit der hier erwähnten Legende nicht
zum Erbgut der Menschen, welche die Küsten und Inseln des Kvarner bewohnen.
Etwa einhundert Meilen südlicher berichtet eine der
Grausamkeit der griechischen Mythologie entbehrende Erzählung vom Entstehen
der Kornaten-Inselgruppe:
Als Gott nicht wusste, was er mit einer Handvoll Steinen tun sollte, die
ihm nach der Erschaffung der Welt verblieben waren, warf er die Steine einfach
weg, ohne darauf zu achten, wohin und wie sie fielen. Als er dann
zurückblickte - denn auch Gott ist neugierig - sagte er sich, dass man nicht
mehr daran rühren sollte.
  ach dem Muster dieser Erzählung schrieb G. B. Shaw:
"Am letzten Tage der Erschaffung der Welt wollte Gott sein Werk krönen und
schuf aus Tränen, Sternen und dem Lufthauch die Kornaten.
Anstatt eines Vergleiches dieser beiden Legenden drängt sich bei der
Rückkehr in die Gegenwart folgende Frage auf: wie ist es möglich, dass sich
von den vielen berühmten und zu Vielem befähigten Besuchern des Kvarner
niemand bemüht hat, dessen Schönheiten zu beschreiben? Offen gestanden
finden sich in der Kunst keine ernsthafteren Spuren, die auf den Kvarner als
Inspiration hinweisen würden."
Auf der Suche nach den Gründen dieser Undankbarkeit fand sich als
Berechtigung nur Gustav Mahler, der seinen Aufenthalt in Opatija dazu
benützte, dort einige Sätze seiner IV. Symphonie zu umorchestrieren.
Opatija?! Ist das nicht die Antwort auf die gestellte Frage? In den
nur etwa einhundert Jahren seines Bestehens wurde Opatija zum Synonym für die
gesamte Kvarner-Region. Jedoch, sein Aussehen, die Art seiner Errichtung,
beinahe Allen bekannt, wurde aller seiner Geheimnisse beraubt, jener
Geheimnisse, welche die Grundlage aller Legenden bilden.
Vergleicht man es mit Dubrovnik im Süden der kroatischen Adria, ist schwer
zu erkennen, womit Opatija seinen Schatten auf die gesamte Kvarner-Bucht
wirft. Dubrovnik hingegen - es ist müßig darüber zu reden - teilt seit
seinem tausendjährigen Bestehen seinen Stolz mit seiner gesamten Umgebung.
Und Opatija?
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Unterschied zu vielen Städten und Städtchen, die Jahrzehnte oder
Jahrhunderte lang um Ihre Fortbestehen kämpfen mussten, entstand Opatija in
den Vorstellungen seiner Besucher als - Geschenk. Obwohl die folgende weit
verbreitete Geschichte nicht wahr ist, da auch diese Gegenden ihre stürmische
Vergangenheit haben, erzählt man sich meist Folgendes: Ein nobler Herr,
namens I.S., schenkte nämlich seiner geliebten Angelina (Angiolina) eine
Villa, der er den gleichen Namen gab. Es war dies die erste Villa in Opatija,
wie wir sie alle kennen. Viele werden aufseufzen und sagen: ein herrliches
Gefühl, eine Villa zum Geschenk zu bekommen!
Aber
das, was Opatija zu etwas Besonderem macht, ist die Macht des Schenkens. Es
ist zwar schön, beschenkt zu werden, jedoch ist es weit angenehmer, schenken
zu können.
Indem es durch seine Gastfreundschaft das Geschenk der Natur veredelte und
in der Einsicht, der tausendjährigen Vergangenheit mit ihrer Fülle an
Wehrmauern nicht konkurrieren zu können, übertrug es auf jeden Besucher
seine Unaufdringlichkeit. Äußerst rasch wurde es zum Ziel und Zufluchtsort
für alle Erholung suchenden Gäste. Unter anderem auch der Erholung von den
vielen Erzählungen und Legenden, die von uns täglich und auf jedem Schritt
verlangen, ihr Zeuge zu sein. Deshalb dürfen wir uns nicht über J. Joyce
wundern, der so beeindruckt von der selbstverleugnenden Ruhe Opatija's war,
dass er gelobte, sich in Schweigen über diese Stadt zu hüllen.
Es möge aber niemand denken, dass wir keine Liebhaber von Legenden und der
Vergangenheit seien. Es war nur die Absicht, zu begründen, warum wir unsere
Reise durch den Kvarner in Opatija beginnen.
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Physiognomie des Kvarner wird von der tiefen, regelmäßigen, ja beinahe
gleichseitigen Bucht sowie von einigen großen Inseln geprägt. Vor den Inseln
wie Cres, Rab oder Krk, von denen Cres und Krk miteinander wetteifern, welche
von ihnen den Titel der "größten" (Adriainsel) tragen wird,
geraten die Nautiker oft in Zweifel: an ihnen, ohne anzuhalten, vorbeizufahren
und irgendein intimeres Ziel anzusteuern, oder aber Tage mit der Erforschung
ihrer zahlreichen Buchten und Kaps zu verbringen. Cres
ist, außer dass sie eine große Fläche einnimmt und mit der Insel Lo¹inj
ein Ganzes bildet, eine besonders lang gestreckte Insel. Mit einer Brücke
verbunden, stellen beide durch ihre geographische Lage für die Nautiker
sozusagen ein natürliches Hindernis dar, das so rasch wie möglich zu umgehen
oder zwischen ihnen hindurch zu schiffen für Viele oberstes Ziel ist. Ein
Beweis dafür ist der Kanal von Osor (Osorski kanal), der bereits zu den
ruhmreichen Zeiten der Römer intensiv genutzt wurde und der den
Schifffahrtsweg zwischen den Häfen der nördlichen Adria und Dalmatiens
bedeutend kürzte.
Aber so groß die Inseln Cres, Lo¹, Rab oder Krk auch sein mögen,
diejenigen, welche sie besser kennen gelernt haben, werden nicht selten zu
Verliebten ihrer Vielfältigkeit und Schönheit.
Ohne Rücksicht darauf, ob wir auf den erwähnten Inseln verweilen oder sie
in Eile umgehen werden, um an irgendein anderes Ziel zu gelangen, ist es
wichtig, uns mit den Wetterbedingungen vertraut zu machen, denen wir uns in
der Kvarner-Bucht häufig gegenüber sehen.
Der Grund dafür ist, dass die Wetterbedingungen in dieser Region von den
Nautikern eine rasche Anpassung an die jähen Veränderungen der Umstände der
Schifffahrt erfordern.
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Hauptgrund für diese Veränderungen ist jedenfalls die Nähe des ziemlich
großen Gebirgsmassivs Gorski Kotar und des hohen Uèka-Gebirges, dessen Abhänge
bis zum Meer hinunter reichen. Gegenüber der Uèka, von
ihrem beinahe 1500 Meter hohen Gipfel aus gesehen, über das Ende der
Kvarner-Bucht hinaus, erstreckt sich der Beginn des langen Massivs des
Velebit-Gebirges. Der Velebit ist zweifellos der Hauptverursacher des weithin
bekannten Nordostwindes - der Bora.
Die
Bora wird in vielen Sachbüchern beschrieben, aber auch in solchen, die
Bewunderung oder Angst vor ihrer Kraft ausdrücken. Ohne Rücksicht auf die
Tatsachen, wie und wo sie entsteht und wieder abstirbt, ist die Bora sozusagen
rasch und oberflächlich. Sie streicht an den steilen Abhängen der Gebirge
herunter und es scheint, als habe sie keine Zeit auf dem Meer zu verweilen.
Als ob sie es so rasch wie möglich überfliegen und irgendwohin verschwinden
will, da es ihr auf dem Meer langweilig ist. Sie ist launisch, bläst
stoßweise und nimmt nicht allzu viel Rücksicht auf die Nautiker.
Im Unterschied zur Bora kommt der Südwind Jugo aus der Tiefe des Meeres,
ist ungeduldig, wälzt sich tagelang und hat keine Eile irgendwohin zu
gelangen. Obwohl er häufig Regen mit sich bringt, erweist er den Nautikern
seine Achtung. Er wird nicht sofort am ersten Tag mit Sturmstärke blasen und
vorher alle unerfahrenen Schiffer warnen, dass sie sich vor seinen mächtigen
Wellen rechtzeitig irgendwo in Sicherheit bringen.
Der Jugo
kommt in die Adria aus der Richtung Südost mit großen Wellen, die während
Sturmzeiten sogar aus der Meerenge von Otranto anrollen. Am gefährlichsten
ist es im Kvarneriæ, wo die Nautiker beim Versuch, sich vor den stürmischen
Wellen auf dem offenen Meer in Sicherheit zu bringen,
auf ein ruhigeres Meer hoffen. Aber hier wird der Jugo geradezu ungestüm, da
er vielleicht fühlt, dass er seine Kraft gleich hinter Plavnik verlieren
wird.
Der Maestral aus der Richtung Nordwest, des Nautikers liebster Wind,
verfügt nicht über genügend Schwung, um bis an das Ende der Kvarner-Bucht
zu gelangen.
Zum Unterschied vom Maestral bläst am Ende der Kvarner-Bucht (Preluka) der
bei den Surfern beliebte Tramontana-Wind und man erinnert sich kaum an
einen Tag ohne die Morgenfrische, die dieser Nordwind aus den Bergen mit sich
bringt, wobei er bis zu den Nordküsten der Inseln Krk und Cres reicht.
Wenn
es wahr ist, dass der Nordteil von Cres seinen Namen dem täglichen
Tramontana-Wind verdankt, dann fügt sich Cres nicht in die übliche Art der
Namengebung ein, da die Winde seit jeher Namen des Festlandes trugen. Und es
scheint verständlich, dass das Festland, etwas Festes und Beständiges, nicht
den Namen von etwas so Unvorhergesehenen und Unbeständigen, wie es der Wind
ist, tragen kann.
Obwohl es viele Geschichten gibt,
die darüber Auskunft geben, wonach die Winde benannt worden sind, wird
häufig die Zeit erwähnt, als Krf ein wichtiges Handelszentrum war und die
Winde die Namen des Festlandes trugen, von dem aus sie in Richtung Krf wehten.
Die Bora trägt den Namen Greko, da sie von den Abhängen Griechenlands blies,
der Libeæo aus der Richtung Libyen, der Schirokko aus Syrien...
Ohne
Rücksicht auf die beschriebenen Winde, ihre Häufigkeit und Stärke, werden
von den Nautikern am häufigsten die plötzlichen Unwetter erwähnt.
Diejenigen, die ein solches Unwetter erlebt haben, werden es nie vergessen und
noch lange erwähnen.
Die
Ausgesetztheit des Kvarner gegenüber den starken Nordost- und Südwinden und
die Häufigkeit der sommerlichen Unwetter stellen jeden Nautiker vor die
Frage, auf welchem Kurs er sein Ziel ansteuern oder auf Grund wessen er seine
Reise planen soll. Bei der Planung muss er im Vorhinein wissen, an welchen
Orten er im Falle der Notwendigkeit oder aber auch der Zerstreuung wegen einen
Zufluchtsort finden kann.
Die Kvarner-Bucht wird
schon seit Jahrhunderten von Seefahrern befahren und obwohl es schwierig ist,
auf dem Meer Spuren zu folgen, wird deren Erfahrung die Grundlage dieses
Führers für Nautiker bilden. Es gibt fünf Transversalen, die von den
Nautikern am häufigsten beim Befahren der Kvarner-Bucht genutzt werden.
I. Transversale: Opatija - o.Cres - o.Lo¹inj - o.Ilovik
II. Transversale: Opatija - o.Krk - o.Rab
III. Transversale: Pomer - o.Unije - o.V. i M.Srakane -
o.Susak
IV. Transversale: Rab (o.Rab) - o.Goli - o.Grgur - o.Prviæ
- Velebitski kanal - Tihi kanal - Opatija
V. Transversale: Ilovik - jug o.Lo¹inja - jug o.Cresa -
Osor (o.Cres)
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